Traurig – aber wichtig: Ihr digitaler Nachlass

Digitaler Nachlass

Facebook-Profil, Twitter-Account, Runtastic-Account, Instagram, Snapchat, Blog, Amazon-Konto und Webseite: Der digital aktive Durchschnittsbürger hinterlässt mehr und mehr Fußabdrücke im Netz. Oft auch ganz bewusst. Denn um Aufmerksamkeit in Zeiten digitaler Massenmedien zu erhalten, bedarf es einigem Engagement. Zu Lebzeiten ist das prima. Doch im Todesfall stehen der oder die Erben vor der Frage: „Wie können wir diese Profile löschen oder deaktivieren?“

Social Media

Aus dem Mai 2017 gibt es beispielsweise ein Urteil des Kammergerichts Berlin (Az. 21 U 9/16), das den Schutz des Fermeldegeheimnisses höher wertet, als das Bedürfnis der Eltern einen Einblick in die Kommunikation ihrer verstorbenen Tochter mit Dritten zu erhalten. Konkret beriet das Gericht darüber, ob ein Anspruch auf Zugang zum Facebook-Account durch die Eltern besteht und verneinte diesen. Bei anderen Social Networks und digitalen Profilen dürfte mit gleichlautenden Urteilen zu rechnen sein.

Hier einige Tipps für Ihren eigenen digitalen Nachlass:

  1. Vorsorgen: Überlegen Sie schon heute, was später mit Ihren Online-Profilen geschehen soll. Gibt es Angehörige, denen Sie ihre Zugangs-Daten, Ihre Passwörter, Ihren E-Mail-Zugang anvertrauen können und wollen? Welche Fotos oder Blogbeiträge sollen später erhalten bleiben? Ein Testament zu machen und hierin auch den digitalen Nachlass mit aufzunehmen ist eine elegante Variante. Machen Sie mit bereits vorhandenen Möglichkeiten, wie den Kontoinaktivitätsmanager bei Google, vertraut.
  2. Verwaltung eines digitalen Nachlasses: Sammeln Sie die erforderlichen Dokumente, damit Sie sich als rechtmäßiger Erbe ausweisen können. Das sind Unterlagen, wie eine Sterbeurkunde, eine Geburtsurkunde oder auch ein Erbschein. Sofern Ihnen Passwörter und Zugangsdaten zur Verfügung gestellt wurden, können Online-Profile meist problemlos deaktiviert werden. Kontaktieren Sie ggf. weitere Anbieter und treffen Sie im Sinne des Verstorbenen eine Entscheidung, was mit dem jeweiligen Benutzerkonto geschehen soll.

Auch die Anbieter von Social Networks haben natürlich ein Interesse daran, dass der Wille verstorbener Mitglieder berücksichtigt werden kann. Wie unterschiedlich die Netzwerke jedoch vorgehen, verdeutlichen diese Beispiele:

Facebook – Facebook war einer der Vorreiter beim Thema digitaler Nachlass. Stirbt ein Facebook-Nutzer, haben die Familienmitglieder zwei Möglichkeiten, vorausgesetzt, dass sie den Nachweis erbracht haben: Sie können das Facebook-Profil entweder löschen oder es in den Gedenkzustand versetzen. In diesem Zustand kann das Profil nur noch von Freunden und der Familie eingesehen werden. Ein Gedenkprofil soll als schöne Erinnerungsseite für den Verstorbenen dienen.

XING – Meldet man den Tod eines Nutzers, versucht XING drei Monate lang den Verstorbenen zu erreichen. Sollte dies nicht gelingen, wird das Profil gelöscht.

Google – Sämtliche Google-Dienste können von Verwandten der Verstorbenen verwaltet werden. Google bietet mit dem Kontoinaktivitäts-Manager allerdings auch noch einen anderen Weg an. Sie können schon jetzt festlegen, nach welcher Inaktivitätszeit alle Daten und Accounts gelöscht werden. Das erspart späteren bürokratischen Aufwand. Der Google-Kontoinaktivitäts-Manager ist über diesen Link erreichbar: myaccount.google.com/inactive

Twitter – Twitter bietet keinen speziellen Service an. Will man einen Twitter-Account löschen, muss man den Support über das reguläre Kontaktformular anschreiben und um Löschung bitten. Ein Nachweis der Identität muss erbracht werden.

Kai Häckel

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